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Der Krieg in Afghanistan ist verloren

Anatomie einer Eskalation

Nur wenige Monate nachdem die Koalition der Willigen den Krieg gegen Afghanistan begonnen hatte galt das Taliban-Regime als besiegt. In der Hauptstadt Kabul, aus der wie aus den übrigen nördlichen Provinzen die Taliban tatsächlich vertrieben waren, wurde eine Regierung eingesetzt, die den Interventionstruppen freundlich gesinnt war. Doch deren Herrschaft reichte nicht weit über die Hauptstadt hinaus und verlor sich in den entfernteren Provinzen in die traditionellen Beziehungen der Regierungsmitglieder zu den lokalen Stammesfürsten, die ihren eigenen Interessen folgten, weshalb Karzai gelegentlich auch als Bürgermeister von Kabul bezeichnet wurde. Auch der Krieg war mitnichten vorbei: Im Süden und Osten bestanden noch bewaffnete Verbände der Taliban und insbesondere in den Siedlungsgebieten der Paschtunen erhoben sich zahlreiche lokale Führer gegen die neue Zentralmacht in Kabul und die hinter dieser stehenden internationalen Koalition. Conrad Schetter vom Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn beschrieb jüngst, wie die Eliten der einstmals autonomen Stammesgebiete durch die wiederholten Interventionen in Afghanistan geschwächt wurden und militante Geistliche von deren Autonomiestreben profitieren konnten. Aus einer „externen“ Sonderrolle heraus konnten sie Allianzen zwischen den Stämmen schmieden und zunächst den gottlosen Kommunismus der Sowjetunion und später den Westen als einigendes Feindbild etablieren.

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